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Welcome to America! Oder: Was bist denn du für ein komischer Vogel?

 

Ok, um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Der Flug ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten war recht angenehm und Gott sei Dank auch größtenteils Pannenfrei, was für mich ja keine Selbstverständlichkeit ist. Ich bin demnach nicht in ein verkehrtes Flugzeug gestiegen und bis auf den letzten Piloten, der mich von Charlotte nach Knoxville geflogen hat und ein richtiger Scherzkeks war, hat sich jeder andere Pilot um einen schnellen Start, einen sanften, kurvenlosen Flug und eine angenehme Landung bemüht, was nicht nur meinem Magen, sondern auch meinen Nerven zugute kam. Letzterem allerdings war ein ruhiger Flug wohl zu langweilig... der nette John fand es höchst amüsant, während des Startens noch einmal zu bremsen, während des Fluges die Maschine öfters mal schnell von rechts nach links trudeln zu lassen und sich an den erschrokenen Rufen seiner Passagiere zu ergötzen... ok, jetzt weiß ich wenigstens, warum jede Art von Waffen und spitzen Gegenständen an Bord verboten wurde! Trotz allem sind wir letztendlich sicher (wenn auch ziemlich hart) in Knoxville gelandet. Am Gepäckschalter setzte sich meine in Charlotte begonnene (Koffer-)Odysee allerdings fort. 2 Teil sozusagen. Mein Koffer war nämlich nicht bei den Gepäckstücken der anderen Fluggäste.  Als ich nämlich mit dem Transatlantikflug in Charlotte ankam, wurde Besuchern, die für eine längere Zeit in die USA einreisen wollten, eine ganz spezielle Behandlung zuteil: Ein Check-In im Immigration Office! Juhu, welch ein Spaß! 2 Std. mit Sack und Pack Schlange stehen, um sich am Ende einem genervten Beamten gegenüber zu sehen, der einen schräg anguckt und von Kopf bis Fuß mustert, während ein nicht weniger nett aussehender Herr in Uniform und mit gezogener Pistole ihm den Rücken deckt. Hier ein kleiner Tipp für alle, die zuküftig in die USA einreisen wollen: Wenn der so herzlich blickende Beamte sich zu Scherzen herab lässt, sollte man sich möglichst jeden Kommentar verkneifen, um die ganze Prozedur nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ansonsten darf man nämlich sämtliche Taschen öffnen, die man bei sich trägt und jede Menge fragen beantworten, die man bereits in zweifacher Ausfertigung auf einem seperaten Visabescheid ausgefüllt hat... Aber so etwas kann einem schon mal passieren, wenn man zu dem Zeitpunkt seit mehr als 18 Std. auf den Beinen ist. Lange Rede, kurzer Sinn, letztendlich habe ich dann doch meinen Stempel bekommen und durfte die gesicherte Zone verlassen. Mit Sack und Pack wurden wir Visa-Reisenden dann zu einem gesonderten Gepäckband gelotst, an dem wir unser Gepäck abgeben sollten. Danach habe ich meinen Koffer für lange Zeit nicht wiedergesehen.

Der Flughafen von Charlotte ist definitv riesig! Nach dem offiziellen Ok für meine Einreise musste ich jetzt nur noch den richtigen Schalter finden, um mein nächstes Flugticket abzuholen, welches ich als einziges nicht online ausdrucken konnte, da die amerikanischen Flugvorschriften dies nicht erlaubten. Na herzlichen Glückwunsch kann ich da nur sagen. Nach einem kurzen Check des Flughafenplanes wusste ich zumindestens eines ganz sicher: Mein Schalter war natürlich nicht in unmittelbarer Nähe. Wie gut, dass ich noch knapp 2 Std. bis zum Abflug hatte. Also auf auf und rauf auf die "automatic Sidewalks", diese Laufbänder, die wie eine flache Rolltreppe aussehen und auf denen man in doppelter Laufgeschwindigkeit vorwärts kommt. Das ist wirklich eine feine Sache! Nach etwa 15 Minuten war ich dann auch endlich an meinem Schalter angekommen. Hier ging die ganze Prozedur erstaunlicher Weise wieder von vorne los. Also wieder den Reisepass und das Visa zücken, das Handgepäck öffnen, noch einmal erklären, wo es hingehen soll, für wie lange und warum eigentlich. Wer jetzt denkt "Ok, damit müsste es nun aber endlich geschafft sein", der irrt. Leider bin auch ich dieser irrigen Annahme verfallen und habe meinen Reisepass und mein Visa wieder sorgfältig in meine Tasche gepackt, nachdem ich nun endlich mein Flugticket nach Knoxville ausgehändigt bekommen hatte. Es gab aberl leider noch eine Sicherheitskontrolle. Eine äußerst sorgfältige sogar. Da hieß es erneut, Laptop auspacken und seperat auf das Sicherheitsband legen, Handgepäck auspacken, Schuhe und Jacke ausziehen, Schmuck ablegen, Visa und Reispass zeigen und sich vom Sicherheitspersonal befummeln lassen. Man, hatte ich eine Laune. Wenigstens war das Personal diesmal lediglich kurz angebunden und nicht noch zu Scherzen aufgelegt. Dafür sprachen die Leute plötzlich mit einem super Akzent! Ich hab tatsächlich zuerst kein Wort verstanden! Da ich das ganze Spielchen aber mittlerweile zum dritten Mal mitmachte, konnte ich erahnen, was die Damen und Herren mich fragten. Da mich keiner schief angeguckt hat, musste ich wohl die richtige Antwort gegeben haben, denn ich durfte passieren. Heureka! Willkommen im Land der "unbegrenzten" Möglichkeiten! Wirklich witzig, da haben sich die Gründungsväter bestimmt schon was bei gedacht, als sie diesen Slogan und die Einreiseregelungen erlassen haben.

Also saß ich endlich an meinem Abfluggate und konnte entspannen in den wirklich wirklich großen Sitzen für den amerikanischen Durchschnittsbürger Größe XL. Ohne Witz! Diese Sitze waren größer als meine Sitze im Flugzeug! Leider war dennoch nix mit entspannen, denn der nette Herr mittleren Alters neben mir telefonierte... und zwar lautstark... und lange... sehr lange, bestimmt eine Stunde. Ganz herrlich. Am Ende wusste ich nicht nur, dass er sich einen Fernseher für knapp 2.500 Dollar gekauft hatte, mit dem er alle Superbowle Spiele in HD sehen kann, sondern auch, dass seine Frau verrückt nach Perserkatzen ist, sein Sohn (oder die Tocher, das konnte ich bei dem Namen Kayle nicht herausfinden) ihm momentan tierisch auf die Nerven geht und das er findet, dass sein Job unterbezahlt ist. Unangenehm auf eine gänzlich andere Art und Weise fand ich auch meinen Gegenüber. Der starrte mich die ganze Zeit über immer wieder an. Kein Plan was der von mir wollte, ich hatte auch keine Lust es herauszufinden. Sowieso kam mir die Wartezone ziemlich heruntergekommen vor. Alles war ein wenig versifft und abgenutzt. Dafür war das hier zuständige Flughafenpersonal typisch amerikanisch. Die Damen und Herren riefen nämlich nicht emotionslos, dafür aber informativ ihre Flüge und Gates auf, wie man das von unseren Flughäfen gewohnt ist, sondern sie machten aus den Ansagen eine Art Rap-Sing-Reim Kontest! Das war ziemlich cool! Nur leider hab ich nix verstanden. Der Tennessee Akzent ist schon schwer zu verstehen, wenn die Leute normal reden. Carol, meine Gastmutter meint, die Leute hier sprechen nicht, sondern sie bellen mehr, was in der Tat eine sehr gute Umschreibung des Akzentes ist. Zu meinem Glück gab es aber auch eine digitale Anzeige, auf der der Flug aufgerufen wurde. So habe ich dann doch noch meinen letzten Flieger erreicht.

Doch zurück zur Landung in Knoxville. Als ich meinen Koffer nicht finden konnte, habe ich mich an eine Dame des Flughafenpersonals gewandt. Sie meinte aber, dass wenn mein Koffer nicht hier sei, dass er dann wohl noch in Charlotte stehen würde. Tolle Sache, ganz tolle Sache. Ok, da stand ich nun, war todmüde, hungrig und durstig und mein Koffer schien weg zu sein. Alles zusammen keine wirklich gute Kombination für meine Verhältnisse. Ich hatte jetzt die Wahl zwischen ganz ruhig bleiben oder schreien. Aber noch während ich hin und her überlegte, tippte mir ein Mann auf die Schulter. Er hatte gehört, was ich zu der Dame gesagt hatte und kannte das Problem, da er vor ein paar Monaten in Deutschland war um dort zu arbeiten und auch über Charlotte zurück nach Knoxville gekommen war und, er wusste wo mein Koffer abgeblieben war! JA, es geschahen doch noch Zeiten und Wunder! Tatsächlich war mein Koffer nämlich nicht mit meiner Maschine nach Knoxville geflogen worden (warum auch, das wäre ja nur ökonomisch und ökologisch sinnvoll gewesen), sondern mit einer seperaten Maschine hergebracht worden und die mit diesem Flug transportierten Koffer wurden auf einem anderen Gepäckband abgeladen. Wie gut, dass die Dame vom Flughafen das auch gewusst hat! Der Mann war ziemlich nett und sprach auch ein sehr klares englisch, wodurch ich dann doch noch zu meiner ersten angenehmen Konversation in den USA kam. Und tatsächlich fand sich mein Koffer auch dort, wo er gesagt hatte. Uff, Gott sei Dank.

Der Rest meiner Ankunft verlief ausgesprochen super! Ich wurde von einer anderen Praktikantin von Siemens abgeholt (eine Deutsche) und sie fuhr mich zu meiner Gastmutter, da ich mein Auto erst am nächsten Tag abholen konnte. Bei Carol angekommen gab es erstmal ein ausführliches Essen und ich lernte jede Menge neue Leute und Dinge kennen, aber dies erzähle ich im nächsten Blog!

Ich freue mich über jeden Kommentar ihr Lieben!

14.11.10 18:07

bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Susanne (14.11.10 22:17)
Also wenn ich diesen Blog so im nachhinein lese, dann krieg ich das Grinsen ja fast nicht mehr aus dem Gesicht. Wieso dürfen Scherzvögel eigentlich Pilot werden? Ich hoffe, du hast trotzdem geklatscht, nachdem John (so hieß der doch?) gelandet ist.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, auf so nem Flughafen kannste was erleben
Sehr schön auch das Telefongespräch, das du mitbekommen hast. Hättest dem armen Mann ja noch den ein oder anderen Tipp geben oder ihm mal zustimmen können.
Und der Mann, der deinen Koffer "wiedergefunden" hat verdient ja wohl die Auszeichnung "Hero of the day". Schön, dass es doch immer wieder nette Leute gibt.
Freu mich schon auf neue Geschichten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Liebe Grüße
Susanne


Curare (15.11.10 03:03)
Danke dir Susi!


Anita (17.11.10 17:43)
Na da hattest du aber einen sehr abenteuerlichen Flug. Aber zum Glück ist ja doch noch alles gut ausgegangen.
Liebe Grüße
Anita


Curare (18.11.10 01:24)
Ja schon, aber für meine Verhältnisse war es wirklich noch relativ Reibungslos.


Christian (20.11.10 07:23)
Hey wie gefällts dir denn drüben?
Was hast du denn für nen Wagen bekommen?
Hast du wirklich so ein kleines Auto bekommen?
Dein Pilot hört sich an wie unsrer Taxifahrer der mit uns Need for Speed gespielt hat.
Liebe Grüße
Christian


Curare (20.11.10 19:06)
Ziemlich gut bisher! :D In meinem nächsten Blog (dieses WE hoffe ich), stelle ich auch ein paar Fotos rein. :D Ja, wahrscheinlich waren die verwandt!


Astrid (21.11.10 14:35)
Ich schmunzel vor mich hin :-) Die Einreiseprozedur klingt ja stark nach einer Sportveranstaltung (Und die Übung noch zich mal wiederholen, bis es sitzt) Das große Warten also, aber ich hoffe, das Warten hat sich für dich gelohnt. Dann erwarte ich mal von dir, dass du demnächst Englisch bellem kannst :-).


Curare (21.11.10 17:43)
Jawohl, ich werd mir viel Mühe mit dem englisch bellen geben! :D

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