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Hit the road sweety! Oder: Autofahren leicht gemacht...

Sorry Leute, es hat ein wenig länger gedauert als geplant, aber der heutige Blog schließt sich nahtlos an den letzten an, sprich es geht los mit dem zweiten, äußerst aufregenden Tag meiner Ankunft - dem Tag, an dem ich mein Auto ausgehändigt bekommen habe.

Es begann alles noch relativ friedlich. Nämlich mit den ersten Auswirkungen dessen, was man so schön als einen Jetlag bezeichnet. Denn trotz absoluter Müdigkeit meinerseits, begann mein Tag, dem antrainierten Biorythmus sei Dank, noch vor den ersten Sonnenstrahlen um knapp zwei Uhr nachts, also ca. 8 Uhr morgens deutscher Zeit. Damit dürfte ich auch dem frühesten Vogel in Knoxville ein Schnippchen geschlagen haben... jedenfalls habe ich bis zum Sonnenaufgang um ca. 6.30 Uhr Ortszeit keinen einzigen zu Gesicht bekommen. Diese Faulpelze.

Schön und gut, ich konnte also nicht mehr schlafen, dafür hatte ich hunger, denn immerhin war es Frühstückszeit (daheim in Deutschland). Es gab da nur ein kleines Problem - ich hatte nichts zu essen. Und einfach an die Lebensmittel meiner Gastmutter wollte ich auch nicht gehen. Es galt daher zu warten, bis Carol (besagte Gastmutter) um sieben endlich aufstand um mit den Hunden rauszugehen. Na gut, ok, zuerst die Hunde und dann frühstücken. Soweit zumindest mein Plan. Nur leider ergab sich das irgendwie nicht, da es zu viel zu sehen und zu besprechen gab. Sei es drum, dass Haus (welches direkt am Little Tennessee River liegt) ist jedenfalls eine Wucht, ich hab mein eigenes riesiges Schlaf- und Badezimmer, es gibt einen abfallenden Garten und ein Bootshaus samt Boot. Wohaa!

Aber egal, ich wollte ja eigentlich von etwas ganz anderem, spannenderem erzählen. Der Tag bestand nämlich nicht nur aus der Erkundung meines Domizils und den weitläufigen Garten- und Seeanlagen, sondern auch aus ernsthafteren Angelegenheiten. Zum einen galt es mein Mietauto abzuholen und zum anderen einen obligatorischen Drogentest zu absolvieren. Eigentlich keine große Sache, schnell mal eben mit dem Bus in die City fahren, dass Auto abholen und zum Drogenlabor zu fahren. Eigentlich. Wie es der Zufall aber nunmal so will, gestaltet sich das vorankommen in KnoxCounty ohne Auto gar nicht mal so einfach. Genauer gesagt relativ unmöglich. Es gibt zwar einen Bus (ich habe in meinem zwei Wochen tatsächlich mal einen gesehen), aber sich diesem Verkehrsmittel anzuvertrauen wurde mir von Carol und Björn (ein weiterer Mitbewohner, der die Wohnung im Basement bewohnt) tunlichst abgeraten, es sei denn ich würde Wert darauf legen, die Kriminalstatistik Knoxvilles um ein oder zwei weitere Einträge zu bereichern. Äh nein, schönen Dank, darauf wollte ich dann doch ganz gerne verzichten. Und laufen ist hier so eine Sache... Knoxville ist zwar für amerikanische Verhältnisse keine große Stadt mit ihren knapp 200.000 Einwohnern, aber äußert weitläufig - richtig weitläufig! Zudem haben es die amerikanischen Baubehörden nicht so mit der Anlegung von Bürgersteigen oder gar Fahrradwegen, wozu auch. Tatsächlich liegt Knoxville in den Ausläufern der Smoky Montains und Fahrradfahren gehört hier zu den Extremsportarten, die man auf extra dafür angelegten Bikeways in den Wäldern betreibt. Das ist zwar in der Freizeit ganz lustig, aber nicht wirklich hilfreich, wenn man irgendwie zu seinem Auto kommen möchte. Björn bot sich dann aber freundlicherweise an, mich zu der Zentrale der Autovermietung zu fahren und so kam der große Moment, auf den ich schon mit gemischten Gefühlen gewartet hatte. Wie würde mein Auto aussehen, wie groß würde es sein, hatte es ein GPS oder eine Gangschaltung, etc, etc. Bevor ich mich jedoch der Aufgabe des Autofahrens widmen konnte, stellte sich mir eine Herausforderung der ganz anderen Art in den Weg: ein amerikanischer Autoverkäufer mit Tennessee-Akzent. Holla, das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Ich stand nichts Böses ahnend hinter dem Tresen, sagte artig meinen Namen und mein Anliegen auf und wartete gespannt auf eine simple Antwort á la "Yes Mam, just follow me to your car". Stattdessen bekam ich etwa drei bis vier Minuten am Stück etwas zur Antwort, was ich nicht einmal Ansatzweise einordnen konnte. Ich weiß noch genau, wie mir ein "Was zum Teufel brabbelt der da?" durch den Kopf schoss, gefolgt von purer Verzweiflung, als er seinen Singsang plötzlich und unvermittelt beendete und mich fragend ansah. Ganz offensichtlich wartete er auf eine Antwort von mir. Die Frage war nur "auf was?"! Die erlösende Antwort kam nach einem kurzen Moment peinlich berührtem Schweigens meinerseits aus unerwarter Quelle. Björn war noch nicht wieder abgefahren, sondern hatte stillschweigend ein Stück hinter mir gewartet und sich offensichtlich prächtig amüsiert. Aber egal, er wusste die Antwort und war somit mein persönlicher Held des Tages! Juhu! Nach neun Jahren in Knoxville verstand er den hiesigen Akzent ohne Probleme. So löste sich auch das Rätsel, was der sprachliche Kryptologe alias Autoverkäufer aus Tennessee eigentlich von mir hören wollte, nämlich ob ich mit den Bedingungen des von Siemens und der Autovermietung geschlossenen Vertrages einverstanden war. Wirklich witzig, als ob ich eine andere Wahl hätte. Auf meine hoch offizielle Zusage folgten dann doch Sage und Schreibe noch weitere Belehrungen, Hinweise und höchstwahrscheinlich gut gemeinte Ratschläge, von denen ich allerdings lediglich ein Drittel verstand... wenn überhaupt. Und überhaupt hörte der Kerl gar nicht mehr auf mit dem reden. Er hatte ganz offensichtlich Blut geleckt, als er gemerkt hatte, dass ich aus Deutschland kam. Zwar bemühte er sich auf seine Art, mir seine Sprechweise näher zu bringen (er sprach einfach lauter), aber nach etwas mehr als 15 Minuten war ich doch ziemlich am Ende meiner Konzentrationsspanne angekommen -und nickte einfach nur noch. Allerdings schien es ihn nicht sonderlich zu stören einen Monolog zu führen, jedenfalls dauerte es gefühlt weitere 15 Minuten, bis er mich endlich zu meinem Auto führte. Jaaaha! Endlich hatte ich Zeit, mir meinen Flitzer einmal anzusehen. Und ich muss sagen, ich habe es sehr gut getroffen. Ein süßer, schnuckeliger, kleiner Nissan Versa mit allen Schickanen in schwarz, mit Automatikgetriebe und das Beste: ich kann ihn komplett volltanken für $28!! Yeah!!!

Juhu, dachte ich, allerdings hatte ich meinen hyperaktiven Freund von Autoverkäufer unterschätzt. Er war noch nicht ganz fertig mit mir, sondern setzte dazu an, mir ein paar Einzelheiten des Autos zu erklären. Ich war gedanklich tatsächlich kurz versucht, einfach den Motor anzulassen und los zu fahren... aber leider hat man da so ein lästiges Ding namens Erziehung genossen, weshalb ich jeden Fluchtgedanken begrub und mich brav lächelnd wieder zu ihm umdrehte. Endlich kam er zu seiner Abschlussrede und ich durfte den Motor anmachen. Bevor ich jedoch die Fahrertür schließen konnte, beugte sich mein neuer Freund zu mir, klopfte mir kameradschaftlich auf die Schulter und bellte mir seinen ersten für mich klar verständlichen Satz entgegen: "Hit the road Sweety!". ...Okay. Mein Gesichtsausdruck muss irgendwo zwischen Unglauben und Belustigung gelegen haben, jedenfalls drückte er mir noch einmal aufmunternd die Schulter und ich wartete innerlich nur noch auf das obligatorische Augenzwinkern, was aber ausblieb. An dieser Stelle muss ich schon mal einwerfen, dass die Art der Südstaatler ein wenig direkter ist, als wir Deutschen sie gewohnt sind. Mittlerweile bin ich an Benennungen Meinerseits á la Sweet(y),Hon(ey) und Ba(by) durch Servicekräfte der verschiedensten Art gewöhnt.

Der spannende Moment war gekommen, ich saß in meinem Auto und realisierte in diesem Augenblick zum ersten Mal, dass ich mich tatsächlich alleine in den nicht gerade zu unterschätzenden Verkehr trauen musste. In KnoxCounty hat wirklich jeder Hunz und Kunz ein Auto, weshalb die Straßen (vorsichtig ausgedrückt) gut befahren sind. Aber es half ja alles nichts. Carol hatte mir in weiser Voraussicht, dass mein Mietauto kein Navi haben würde, ihres mitgegeben, wofür ich ihr bis in alle Ewigkeit dankbar sein werde, denn ich habe mich trotz allem unglaublich verfahren und hätte alleine einfach nie mehr nach Hause, geschweige denn zum Labor gefunden! Wer von euch jetzt denkt: so blöd kann man doch gar nicht sein, dass man sich mit einem Navi verfährt, dem hätte ich vor ein paar Monaten noch Recht gegeben, aber in den USA ticken auch die Navis ein wenig anders - und die Verkehrsschilder und Regeln erst recht. Und ich wusste am Anfang einfach nicht, dass eine Interstate mit blauem Hintergrund unterlegt ist, ein Highway mit einem weißen und das die Auffahrt auf diese Straßen einfach mal genauso aussieht, wie die Abzweigung in eine ganz normale Straße. Dazu kam, dass mein gebortes Navi in Miles und Inches die Entfernung zählte und nicht in Metern, was mir durchaus ein paar Mal zum Verhängnis wurde, denn wenn das GPS anzeigt, in 80 Ibs links abbiegen, dann ist das nicht etwas in 80 Metern oder 10 Metern, sondern absolut direkt jetzt und auf der Stelle die Straße direkt links neben dir. Daher hab ich schon mal so manche meiner Abfahrten verpasst und bin extra Runden gefahren. Aber hier mal ein paar Ausschnitte aus meinen herzallerliebsten Hinweisschildern: Zu beachten sei hier vor allem die absolut klare Darstellung, wie man sich in welche Line einzuordnen hat.

Die Amis beweisen hin und wieder aber auch einen absolut schlagfertigen Humor:

Am besten gefiel mir aber, dass mich mein Navi mitten auf einem Highway zu einen U-turn aufforderte, was tatsächlich Gang und Gebe zu sein scheint. Dafür gibt es in der Mitte der Straße eine eigens dafür angelegte Line, die "Suizide-Line" wie ich sie gerne nenne, die von beiden (!) Seiten von Autofahrern befahren werden kann (man kommt sich auf diesem Mittelstreifen also schon mal entgegen) und zum wenden oder auch für "Links-Abfahrten" genutzt wird, also wenn ich links anstelle von rechts vom Highway abfahren möchte. Ganz herrliche Sache.  Ach, und wenn ich an einer Ampel stehe, die Rot leuchtet, kann ich trotzdem fahren, wenn ich rechts ab möchte und sonst keiner kommt. Kein Problem, Rot ist hier eben nicht gleich Rot.  

Sei es drum, ich habe es dennoch zum Drogenlabor geschafft! Wenn auch mit zwei Beinaheunfällen, da ich einfach mal gewohnheitsmäßig die Gangschaltung bedienen wollte, um mein Auto zu verlangsamen, bzw. zu beschleunigen. Nur leider hat mein Auto keine Gangschaltung, was bedeutet, dass ich mal eben ganz elegant mit dem linken Fuß anstatt auf das (nichtvorhandene) Gangschaltungspedal auf die Bremse gelatscht bin. Nun funktioniert so eine Gangschaltung zu meinem Ärger ein wenig anders, als ein Bremspedal. Letzteres ist irgendwie viiiiiel sensibler, wohingegen man ersteres ja gänzlich durchtritt um den gewünschten Effekt hervorzurufen. Wenn man nun statt der Gangschaltung die Bremse voll durchtritt, schafft man einen Fullstop tatsächlich in weniger als 100 Metern, auch wenn man gerade eben noch mit Tempo 45 Meilen gefahren ist. Allerdings finden die Autofahrer, die bisher noch friedlich hinter einem her getuckert sind, diesen plötzlichen Test ihrer Reaktionszeit irgendwie weniger erquickend. Auch für meinen Blutdruck war das nicht gerade zuträglich... Ich war doch ein klein wenig fertig mit meinen Nerven, als ich endlich die Straße erreichte in der sich mein Ziel (das Drogentestlabor) befinden sollte. Zittrig und hungrig fuhr ich auf der Straße entlang. Das GPS zeigte noch 200 Inches, also müsste das Labor bereits zu sehen sein. Das dumme war nur, dass es nicht zu sehen war. Ich fuhr also weiter, das GPS zeigte folgende Aufschrift: noch 100 Inches, 80, 40, you reached your destination. Aha, ich war also da. Nur war "da" nichts, außer ein paar Privathäuser und der Parkplatz für einen Friedhof. Ansonsten Nada, Niente. Herrlich, warum eigentlich immer ich?! Ich fuhr ein Stück weiter, mein Navi piepte auf "please turn around when possible". Fein, dann halt wieder zurück, vielleicht hatte ich es ja nur übersehen. Das Spielchen des "Hin und zurück" machte ich noch geschlagenen drei Mal mit, dann hatte ich die Nase gestrichen voll und parkte auf dem Friedhof, was perfekt zu meiner Stimmung passte. Tatsächlich fand sich besagtes Drogenlabor versetzt hinter zwei anderen Privathäusern versteckt und war von der Straße aus nicht zu sehen. So etwas nenne ich mal eine gute Lage. Was ich bei meiner Tagesplanung übersehen hatte, war, dass das Labor nur bis halb drei Nachmittags geöffnet hatte und es war kurz nach halb! Also hurtig hurtig im Sprint über den Parkplatz der beiden Häuser gejagt und an der Tür gerappelt. Jetzt hatte ich es schon hierher geschafft, jetzt wollte ich auch hinein. Und ich hatte tatsächlich mal Glück! Die Amis sind ein klein wenig kulanter mit ihren Öffnungszeiten für abgehetzte, gestresste und halbverhungerte Kunden, die so herzlich und zurückhaltend um Einlass betteln.  Ich durfte demnach meinen Drogentest absolvieren. Juhu! Also nichts wie zurück zum Auto und ab nach Hause. Aber, wie sollte es auch anders sein, ich hab es natürlich nicht geschafft, mich nicht zu verfahren. Wenigstens habe ich diesmal keine Beinahe-Unfälle gebaut, da ich mein linkes Bein krampfhaft an den Fahrersitz gequetscht hatte, nur zur Sicherheit. Immerhin schon mal ein Anfang.

Tja, was soll ich sagen, ich schwor mir eigentlich so schnell nicht wieder Auto zu fahren, als ich endlich zu Hause ankam, aber irgendwie kam mir das Footballspiel am nächsten Tag in die Quere, zu dem ich mit Erika gehen wollte... und ich sollte fahren! Aber das erzähle ich ein anderes Mal.

3 Kommentare 1.12.10 05:53, kommentieren

Welcome to America! Oder: Was bist denn du für ein komischer Vogel?

 

Ok, um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Der Flug ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten war recht angenehm und Gott sei Dank auch größtenteils Pannenfrei, was für mich ja keine Selbstverständlichkeit ist. Ich bin demnach nicht in ein verkehrtes Flugzeug gestiegen und bis auf den letzten Piloten, der mich von Charlotte nach Knoxville geflogen hat und ein richtiger Scherzkeks war, hat sich jeder andere Pilot um einen schnellen Start, einen sanften, kurvenlosen Flug und eine angenehme Landung bemüht, was nicht nur meinem Magen, sondern auch meinen Nerven zugute kam. Letzterem allerdings war ein ruhiger Flug wohl zu langweilig... der nette John fand es höchst amüsant, während des Startens noch einmal zu bremsen, während des Fluges die Maschine öfters mal schnell von rechts nach links trudeln zu lassen und sich an den erschrokenen Rufen seiner Passagiere zu ergötzen... ok, jetzt weiß ich wenigstens, warum jede Art von Waffen und spitzen Gegenständen an Bord verboten wurde! Trotz allem sind wir letztendlich sicher (wenn auch ziemlich hart) in Knoxville gelandet. Am Gepäckschalter setzte sich meine in Charlotte begonnene (Koffer-)Odysee allerdings fort. 2 Teil sozusagen. Mein Koffer war nämlich nicht bei den Gepäckstücken der anderen Fluggäste.  Als ich nämlich mit dem Transatlantikflug in Charlotte ankam, wurde Besuchern, die für eine längere Zeit in die USA einreisen wollten, eine ganz spezielle Behandlung zuteil: Ein Check-In im Immigration Office! Juhu, welch ein Spaß! 2 Std. mit Sack und Pack Schlange stehen, um sich am Ende einem genervten Beamten gegenüber zu sehen, der einen schräg anguckt und von Kopf bis Fuß mustert, während ein nicht weniger nett aussehender Herr in Uniform und mit gezogener Pistole ihm den Rücken deckt. Hier ein kleiner Tipp für alle, die zuküftig in die USA einreisen wollen: Wenn der so herzlich blickende Beamte sich zu Scherzen herab lässt, sollte man sich möglichst jeden Kommentar verkneifen, um die ganze Prozedur nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ansonsten darf man nämlich sämtliche Taschen öffnen, die man bei sich trägt und jede Menge fragen beantworten, die man bereits in zweifacher Ausfertigung auf einem seperaten Visabescheid ausgefüllt hat... Aber so etwas kann einem schon mal passieren, wenn man zu dem Zeitpunkt seit mehr als 18 Std. auf den Beinen ist. Lange Rede, kurzer Sinn, letztendlich habe ich dann doch meinen Stempel bekommen und durfte die gesicherte Zone verlassen. Mit Sack und Pack wurden wir Visa-Reisenden dann zu einem gesonderten Gepäckband gelotst, an dem wir unser Gepäck abgeben sollten. Danach habe ich meinen Koffer für lange Zeit nicht wiedergesehen.

Der Flughafen von Charlotte ist definitv riesig! Nach dem offiziellen Ok für meine Einreise musste ich jetzt nur noch den richtigen Schalter finden, um mein nächstes Flugticket abzuholen, welches ich als einziges nicht online ausdrucken konnte, da die amerikanischen Flugvorschriften dies nicht erlaubten. Na herzlichen Glückwunsch kann ich da nur sagen. Nach einem kurzen Check des Flughafenplanes wusste ich zumindestens eines ganz sicher: Mein Schalter war natürlich nicht in unmittelbarer Nähe. Wie gut, dass ich noch knapp 2 Std. bis zum Abflug hatte. Also auf auf und rauf auf die "automatic Sidewalks", diese Laufbänder, die wie eine flache Rolltreppe aussehen und auf denen man in doppelter Laufgeschwindigkeit vorwärts kommt. Das ist wirklich eine feine Sache! Nach etwa 15 Minuten war ich dann auch endlich an meinem Schalter angekommen. Hier ging die ganze Prozedur erstaunlicher Weise wieder von vorne los. Also wieder den Reisepass und das Visa zücken, das Handgepäck öffnen, noch einmal erklären, wo es hingehen soll, für wie lange und warum eigentlich. Wer jetzt denkt "Ok, damit müsste es nun aber endlich geschafft sein", der irrt. Leider bin auch ich dieser irrigen Annahme verfallen und habe meinen Reisepass und mein Visa wieder sorgfältig in meine Tasche gepackt, nachdem ich nun endlich mein Flugticket nach Knoxville ausgehändigt bekommen hatte. Es gab aberl leider noch eine Sicherheitskontrolle. Eine äußerst sorgfältige sogar. Da hieß es erneut, Laptop auspacken und seperat auf das Sicherheitsband legen, Handgepäck auspacken, Schuhe und Jacke ausziehen, Schmuck ablegen, Visa und Reispass zeigen und sich vom Sicherheitspersonal befummeln lassen. Man, hatte ich eine Laune. Wenigstens war das Personal diesmal lediglich kurz angebunden und nicht noch zu Scherzen aufgelegt. Dafür sprachen die Leute plötzlich mit einem super Akzent! Ich hab tatsächlich zuerst kein Wort verstanden! Da ich das ganze Spielchen aber mittlerweile zum dritten Mal mitmachte, konnte ich erahnen, was die Damen und Herren mich fragten. Da mich keiner schief angeguckt hat, musste ich wohl die richtige Antwort gegeben haben, denn ich durfte passieren. Heureka! Willkommen im Land der "unbegrenzten" Möglichkeiten! Wirklich witzig, da haben sich die Gründungsväter bestimmt schon was bei gedacht, als sie diesen Slogan und die Einreiseregelungen erlassen haben.

Also saß ich endlich an meinem Abfluggate und konnte entspannen in den wirklich wirklich großen Sitzen für den amerikanischen Durchschnittsbürger Größe XL. Ohne Witz! Diese Sitze waren größer als meine Sitze im Flugzeug! Leider war dennoch nix mit entspannen, denn der nette Herr mittleren Alters neben mir telefonierte... und zwar lautstark... und lange... sehr lange, bestimmt eine Stunde. Ganz herrlich. Am Ende wusste ich nicht nur, dass er sich einen Fernseher für knapp 2.500 Dollar gekauft hatte, mit dem er alle Superbowle Spiele in HD sehen kann, sondern auch, dass seine Frau verrückt nach Perserkatzen ist, sein Sohn (oder die Tocher, das konnte ich bei dem Namen Kayle nicht herausfinden) ihm momentan tierisch auf die Nerven geht und das er findet, dass sein Job unterbezahlt ist. Unangenehm auf eine gänzlich andere Art und Weise fand ich auch meinen Gegenüber. Der starrte mich die ganze Zeit über immer wieder an. Kein Plan was der von mir wollte, ich hatte auch keine Lust es herauszufinden. Sowieso kam mir die Wartezone ziemlich heruntergekommen vor. Alles war ein wenig versifft und abgenutzt. Dafür war das hier zuständige Flughafenpersonal typisch amerikanisch. Die Damen und Herren riefen nämlich nicht emotionslos, dafür aber informativ ihre Flüge und Gates auf, wie man das von unseren Flughäfen gewohnt ist, sondern sie machten aus den Ansagen eine Art Rap-Sing-Reim Kontest! Das war ziemlich cool! Nur leider hab ich nix verstanden. Der Tennessee Akzent ist schon schwer zu verstehen, wenn die Leute normal reden. Carol, meine Gastmutter meint, die Leute hier sprechen nicht, sondern sie bellen mehr, was in der Tat eine sehr gute Umschreibung des Akzentes ist. Zu meinem Glück gab es aber auch eine digitale Anzeige, auf der der Flug aufgerufen wurde. So habe ich dann doch noch meinen letzten Flieger erreicht.

Doch zurück zur Landung in Knoxville. Als ich meinen Koffer nicht finden konnte, habe ich mich an eine Dame des Flughafenpersonals gewandt. Sie meinte aber, dass wenn mein Koffer nicht hier sei, dass er dann wohl noch in Charlotte stehen würde. Tolle Sache, ganz tolle Sache. Ok, da stand ich nun, war todmüde, hungrig und durstig und mein Koffer schien weg zu sein. Alles zusammen keine wirklich gute Kombination für meine Verhältnisse. Ich hatte jetzt die Wahl zwischen ganz ruhig bleiben oder schreien. Aber noch während ich hin und her überlegte, tippte mir ein Mann auf die Schulter. Er hatte gehört, was ich zu der Dame gesagt hatte und kannte das Problem, da er vor ein paar Monaten in Deutschland war um dort zu arbeiten und auch über Charlotte zurück nach Knoxville gekommen war und, er wusste wo mein Koffer abgeblieben war! JA, es geschahen doch noch Zeiten und Wunder! Tatsächlich war mein Koffer nämlich nicht mit meiner Maschine nach Knoxville geflogen worden (warum auch, das wäre ja nur ökonomisch und ökologisch sinnvoll gewesen), sondern mit einer seperaten Maschine hergebracht worden und die mit diesem Flug transportierten Koffer wurden auf einem anderen Gepäckband abgeladen. Wie gut, dass die Dame vom Flughafen das auch gewusst hat! Der Mann war ziemlich nett und sprach auch ein sehr klares englisch, wodurch ich dann doch noch zu meiner ersten angenehmen Konversation in den USA kam. Und tatsächlich fand sich mein Koffer auch dort, wo er gesagt hatte. Uff, Gott sei Dank.

Der Rest meiner Ankunft verlief ausgesprochen super! Ich wurde von einer anderen Praktikantin von Siemens abgeholt (eine Deutsche) und sie fuhr mich zu meiner Gastmutter, da ich mein Auto erst am nächsten Tag abholen konnte. Bei Carol angekommen gab es erstmal ein ausführliches Essen und ich lernte jede Menge neue Leute und Dinge kennen, aber dies erzähle ich im nächsten Blog!

Ich freue mich über jeden Kommentar ihr Lieben!

8 Kommentare 14.11.10 18:07, kommentieren